Ein schmerzlicher Prozess

Der Schreibprozess war alles andere als leicht. Die grössten Hürden waren dabei nicht die Worte selbst, sondern die tiefen Emotionen dahinter. Es waren Herausforderungen, die weit über das handwerkliche Schreiben hinausgingen und mich immer wieder an meine Grenzen führten:

Die Konfrontation 

Ich musste der Frau von damals wieder begegnen, einer Version von mir selbst, die ich lange Zeit lieber verdrängt hätte. Die Scham über das Geschehene und die Reue gegenüber den Menschen, die ich verletzt habe, liessen sich beim Schreiben nicht einfach ausblenden. Jede Zeile zwang mich dazu, diese Gefühle nicht nur zu benennen, sondern sie Seite für Seite noch einmal zu durchleben. Es war eine Reise zurück in eine Dunkelheit, aus der ich mich mühsam befreit hatte.

Radikale Ehrlichkeit 

Die grösste Schwierigkeit bestand darin, absolut nichts zu beschönigen. Es wäre ein Leichtes gewesen, bestimmte Momente weicher zu zeichnen, doch mein Anspruch war ein anderer: Ich wollte die harte Realität meiner Vergangenheit unverfälscht abbilden, ohne sie jemals zu verherrlichen. Es galt, die brutale Wahrheit der Sucht und die Konsequenzen der Kriminalität so darzustellen, dass der mühsame Weg zurück ins Licht für die Lesenden wirklich greifbar und nachvollziehbar wird.

Nur durch diese schmerzhafte Aufrichtigkeit und das bedingungslose Hinsehen konnte ein Buch entstehen, das heute weit über meine persönliche Erfahrung hinausreicht. Es ist ein Werk, das die Schatten der Vergangenheit nicht leugnet, sondern sie als Teil meiner Wandlung akzeptiert. Es soll für all jene, die sich momentan in ihren eigenen Dunkelheiten verloren fühlen, ein Wegweiser sein. Mein Ziel ist es, ihnen durch meine Geschichte die nötige Kraft zu schenken, wieder fest an die eigene Wandlungsfähigkeit und die lebensverändernde Chance auf einen Neuanfang zu glauben.

Autorin:
Thamara Truaisch
Buchautorin, Referentin, Coach